Ist es Zeit, Rohöl zu verkaufen? Michael Hartnett von Bank of America: Wenn Trump die Zwischenwahlen gewinnen will, muss der USA-Iran-Krieg bis März „deeskaliert“ werden
Michael Hartnett, der Chef-Investmentstratege der Bank of America, stellt in seinem neuesten Flow Show-Bericht fest, der innenpolitische Druck in den USA werde den Iran-Krieg im März abkühlen lassen. Wenn sich die Lage beruhigt, sollte man Rohöl und den US-Dollar verkaufen, 30-jährige US-Staatsanleihen kaufen und Risikoanlagen könnten im März ihren Tiefpunkt erreichen und wieder anziehen.
Derzeit sind die US-Ölpreise um 45% gestiegen, die Gaspreise um 15%, wodurch die Wirtschaftszustimmungsrate von Trump auf 40% und die Inflationsunterstützung auf das Tief von 36% gedrückt wurde. Hartnett ist der Ansicht, dass der Iran-Konflikt politisch nicht tragfähig sei und Trump sich vor den Zwischenwahlen gezwungen sehe, das Blatt zu wenden – was einen Beruhigungszeitraum im März bedeute.
Wenn sich die Lage entspannt, gibt Hartnett klare Handelshinweise: Bei einem Preisniveau von 90 USD pro Barrel Rohöl verkaufen, beim DXY über 100 US-Dollar verkaufen, bei einer Rendite von 5% 30-jährige US-Staatsanleihen kaufen; gleichzeitig könnten Risikoanlagen im März ihren Tiefpunkt erreichen.
Beim Börsenstart am Montag fiel der Brent-Ölpreis nach einem kurzfristigen Anstieg Richtung 120 USD je Barrel auf 107 USD zurück.

Hartnett weist zudem darauf hin, dass bei einer Eskalation des Konflikts die USA die Ölversorgung sichern und die Vorherrschaft im Bereich KI-Technologien verteidigen werden, Rohöl, US-Dollar sowie US-Technologie- und Rüstungsunternehmen werden profitieren; Ölimportierende Staaten wie Südkorea, Japan und Europa geraten unter Druck, insbesondere die Bankensektoren Japans und Europas laufen Gefahr eines erheblichen Drawdowns.
Politische Uhr läuft ab: Zwischenwahl-Druck bestimmt das Kriegstempo
Hartnetts Kernaussage basiert auf einer pragmatischen politischen Einschätzung: Trumps Regierungsbasis wird direkt durch die steigenden Ölpreise ausgehöhlt. Die Zustimmung zu Trumps Wirtschaftspolitik ist auf 40% gesunken, bei der Inflation sogar nur noch 36% – beide Werte liegen auf tiefem Niveau.
Gleichzeitig sind die US-Ölpreise seit Ausbruch des Konflikts um 45% gestiegen, die Einzelhandelspreise für Benzin um 15%, der Inflationsdruck erreicht die Wähler auf direktestem Weg.
Nach Hartnetts Ansicht ist ein langwieriger Iran-Konflikt politisch nicht haltbar. Der Druck der Zwischenwahlen zwingt Trump zur Kursänderung; ein Anstieg der Zustimmung vor dem zweiten Quartal ist Voraussetzung für den Aufwärtstrend bei Risikoanlagen.

Beruhigungs-Trade: Öl verkaufen, Dollar verkaufen, Langläufer kaufen
Hartnett erwartet, dass eine Abkühlung der Iran-Lage folgendes Handelsmuster auslöst: Bei 90 USD pro Barrel verkaufen, bei DXY über 100 US-Dollar verkaufen, bei 5% Rendite 30-jährige US-Staatsanleihen kaufen; Risikoanlagen könnten im März ihren Tiefpunkt finden.
Zugleich betont er, dass der Modus "kurzer Krieg" die Long-Logik für inflationsgetriebene Boom-Assets wiederbelebt: Rohstoffe und Small Caps der Schwellenländer profitieren von der Wiederaufnahme der Dollar-Baisse.
Dennoch ist Hartnett gegenüber einer umfassenden Erholung vorsichtig. Für neue Höchststände am Aktienmarkt müssten drei Bedingungen erfüllt sein: ausreichend aufgebaute Short-Positionen, panikartige Trendwende auf der politischen Ebene und Umkehr des Liquiditätsspitzen-Effekts.
Bislang sind diese Bedingungen noch nicht erfüllt; der S&P 500 hat noch keinen ausreichenden Preisrückgang erfahren (wie etwa das Durchbrechen von 6600 Punkten), die Gesamtpositionierung dürfte weiterhin eher long-lastig ausfallen.

Eskalations-Trade: Ölpreis, Dollar und US-Tech profitieren
Hartnett skizziert eine alternative Entwicklung: Falls sich die Iran-Lage nicht entspannt, sondern weiter eskaliert, verändert sich die Asset-Allokation grundlegend.
Im Eskalationsszenario involvieren sich die USA voll, um die Ölversorgung zu sichern und die Energiebasis für KI-Infrastruktur zu stellen, profitieren werden: Rohöl, Dollar, US-Technologieaktien und globale Verteidigungswerte. Den Preis zahlen die ölimportierenden Staaten, darunter Südkorea, Japan und Europa.
Besonders hebt Hartnett hervor, dass im Eskalationsszenario das größte Risiko bei den Bankaktien Japans und Europas liegt. Diese Märkte galten zuvor als Kernprofiteure der jüngsten Rallye.

US-Dollar als Schlüssel-Barometer: DXY über 100 markiert globalen Liquiditätswende
Hartnett liefert ein Framework für das "Ende der Korrektur": Bei exogenen Schocks gepaart mit zu viel Optimismus sollten drei Dinge auftreten: "überverkaufte Assets finden ihren Boden", "überkaufte Assets werden abgestoßen" und "sichere Hafen-Assets verlieren Nachfrage". In seinen Augen gibt es für die ersten beiden Preisaktionen bereits Anzeichen, doch Öl und Dollar bleiben die Schlüssel für das finale ‘All-Clear-Signal’.
Von allen Variablen hebt Hartnett den Dollar als derzeit wichtigsten Kernwert hervor und definiert den Wechselkursindex (DXY) als das "beste globale Liquiditätsbarometer".
Seiner Ansicht nach signalisiert ein DXY-Anstieg über 100 das Erreichen des Zinsspitzenpunkts im globalen Zyklus. Am 1. Januar lag die erwartete Wahrscheinlichkeit für eine Fed-Zinssenkung am 17. Juni bei 100%, inzwischen nur noch bei 37%. Außerdem kann ein stärkerer Dollar die Renditekurve abflachen und Inflation auslösen.
Dieses Modell bedeutet: Die Dollar-Bewegung ist nicht nur ein Wechselkurssignal, sondern Kernindikator für die globale Liquiditätswende, den Fed-Policy-Pfad und die Frage, ob Risikoassets wirklich stabil werden.
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